Bis jetzt hatte ich noch nicht über das Buch von Gail Honeyman gehört und ich glaube, ich habe da etwas verpasst. Vor kurzem ist mir ihren ersten Roman in den Händen geraten, „Ich, Eleanor Oliphant“, der auch gleich den Costa Book Award in der Kategorie „Erster Roman“ gewonnen hat. Ich habe das Buch hauptsächlich zu lesen angefangen, weil wir alle dieses Jahr „völlig in Ordnung“ zu sein scheinen und anscheinend wird es „noch besser“ werden. Als ich die Anmerkung zu dem Buch las, hat eine Aussage meine Aufmerksamkeit gewonnen, die mich dazu brachte, in den Seiten des Buches reinzulesen, nämlich:

 

„Eleanor Oliphant ist glücklich. Nichts fehlt in ihrer sorgfältig geachteten Existenz. Außer, manchmal, alles…“ 

Wir alle fühlen uns manchmal so. Wir alle geraten auf den Gleisen von unserem Alltagsleben und vergessen immer öfter, dass viele Teile des Puzzles fehlen, die eben wichtig sein können. 

Eleanor hatte eine schwierige Kindheit, erlitt viele Verluste und hatte einige Hindernisse zu bekämpfen, aber trotz aller Stolpersteine hat sie es geschafft, die Universität zu absolvieren, hat eine eigene Wohnung, die sie in einem Zuhause verwandeln möchte, findet einen anständigen Job im Finanzbereich, der dazu dient, ihre Rechnungen zu begleichen und für Eleanor ist das mehr als genug. Das Einzigste, was sie als lästig empfindet, sind ihre wöchentlichen Anrufe bei ihrer Mutter, die es immer schafft, dass sie sich elend und unangemessen fühlt, ungenügend für diese Welt. Und obwohl ihr soziale Kompetenzen fehlen, läuft seit Jahren alles unbeschwerlich und planmäßig. Sie fühlt sich gut in ihrer Einsamkeit und in der Art, wie sie alles ausgearbeitet hat. Sie braucht nicht einmal Freunde, mit denen sie sich austauscht und trifft.

„Wenn man gefragt wird, wie es einem geht, scheint der Konsens zu sein, dass man GUT antwortet, unabhängig von seinem tatsächlichen Befinden. Alles ist GUT, auch wenn man sich vorige Nacht in den Schlaf geweint und seit zwei Tagen in Folge mit keiner Menschenseele gesprochen hat. Aber das wäre die falsche Antwort. So etwas sagt man nicht. GUT, so heißt das.“

Bis eines Tages … sich etwas ändert, was auch den Kurs ihren Lebensverlauf verändert – sie findet einen Freund. Einen Freund, von dem sie nicht einmal wusste, dass sie überhaupt einen brauchte. Jemand, mit dem man einfach Dinge teilen und erleben kann. Jemand, der sich um sie kümmert und sie fragt, wie sie sich fühlt. Und obwohl sie sich zunächst nicht entspannen und diesen neuen Freund in ihrem Leben akzeptieren möchte, ändert sich dies im Laufe der Zeit und sie erkennt, dass eine freundschaftliche Seele zu kennen, und das Konzept der Freundschaft, gar keine schlechte Idee sei. 

Und selbstverständlich verliebt sie sich, oder sie denkt, sie sei es (es muss doch Liebe geben), bis sie merkt, dass sie nicht so verliebt zu sein scheint. Mehr wollte sie ihre Mutter und die ständigen Fragen über die Liebe und eine Partnerschaft im Leben von Eleanor, darüber beruhigen wollte (es ist nicht so, als verstehe ich sie nicht: D).

Meiner Meinung nach enthält das Buch mehrere Botschaften, die recht gut beschrieben sind und für jeden von uns wichtig sind, nämlich – es kann immer etwas Gutes passieren, egal wie schwierig es für uns bisher war. Ja, jeder durchläuft verschiedene Phasen seines Lebens und es gibt immer Hindernisse und Herausforderungen, verzwickte Situationen, die Feingefühl erfordern und manchmal schnelle Lösungen, aber das Gute und das Positive ist immer da. Und auch –  Egal wie wohl man sich in seinem durchgeplanten Leben fühlt, das man sich mühsam aufgebaut hat, heißt es nicht, dass man  aufhört zu lernen und für mehr zu kämpfen, mehr zu verlangen. Der Weg des Lebens ist nicht einfach und wird es auch nie sein, aber die Bemühungen zahlen sich aus und am Ende ist es süß. Man soll sich auch auf das einstellen, was der Alltag manchmal spontan bietet.

Dieses Buch gibt Mut und Hoffnung, dass es immer eine Entwicklung geben wird, auch wenn alles „stecken bleibt“. Selbst wenn man alleine sein soll, findet man oft eine verwandte Seele, die einem versteht und auf seiner Seite gewinnt, wenn man es am dringendsten braucht.

„Manchmal braucht man einfach jemanden angenehmen, der neben einem sitzt, bis sie den Aufgaben erledigen.“

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