Kleine Feuer überall – Celeste Ng

„Kleine Feuer überall“ ist der zweite Roman der amerikanischen Schriftstellerin Celeste Ng, der 2017 veröffentlicht und 2020 als Miniserie von Reese Witherspoon produziert wurde, wodurch der New York Times Bestseller mehr an Popularität gewonnen hat.

Die Geschichte spielt im Jahr 1998, als das Haus einer der erfolgreichsten und aufgeräumtesten Familien in der kleinen Familien-Stadt Shaker Heights in der Nähe von Cleveland, wo auch die Autorin des Romans selbst aufgewachsen ist, in Folge eines Feuers, verursacht von einem unbekannten Täter, niederbrennt.

Die Bewohner von Shaker Heights ähneln allen anderen Bewohnern von kleinen Städten in Amerika. Eines ist jedoch sicher: Sie leben sehr glücklich. Dort ist alles bis auf dem kleinsten Detail zur Perfektion geplant – die Höhe des Grases, die Farbe der Häuser, das erfolgreiche Leben seiner Bewohner. Und niemand verkörpert diesen Geist besser als Elena Richardson, deren Grundprinzip im Leben darin besteht, sich an die Regeln zu halten.

„Regeln gab es aus einem bestimmten Grund:
Wer sie befolgte, kam voran;
wer es nicht tat,
drohte die Welt in Asche zu legen.“

Das änderte sich, als Mia Warren, eine Künstlerin und alleinerziehende Mutter, mit ihrer jugendlichen Tochter Pearl in die Stadt kommt und in eine Mietwohnung der Familie Richardson einzieht. Mia und Pearl werden bald mehr als Mieter. Die vier Kinder der Richardson fühlen sich von den neuen Einwohnern angezogen, vor allem die rebellische Izzy, das vierte Kind des Richardson-Clans. Allerdings trägt Mia die Geheimnisse ihrer Vergangenheit tief in sich vergraben und kümmert sich nicht um die Regeln und Lebenseinstellung in Shaker Heights, was die sorgfältig organisierte Gemeinschaft zu stürzen droht.

Kleine Feuer überall – Celeste Ng

Als alte Familienfreunde der Richardson-Familie versuchen, ein Kind zu adoptieren, setzt das den Beginn eines Sorgerechtsstreites, der die Stadt in zwei Teile reißt … und Mia und Elena auf entgegengesetzte Seiten stellt. Elena unterstützt den Gedanken, dass ein Kind eine stabile und wohl statuierte Familie benötigt, die ihm mehr Chancen für die Zukunft anbieten kann und sich somit für die Adoptiveltern ausspricht und ihre Freunde unterstützt, während Mia sich dafür ausspricht, dass ein Kind bei der leiblichen Mutter besser aufgehoben sei, ungeachtet des Gesellschaftsstatus und für die Rechte der Mutter kämpft. Und wie wird die richtige Entscheidung getroffen – zwischen Menschen, die dem Kind alles geben können und seit Jahren eines wollen – eine richtige kleine Familie zu sein, und der Mutter, die nur eine Mutter ist und trotz ihres bewussten Fehlers (sie hat das Kind im Babyalter ausgesetzt) Buße tut und es korrigieren will?! Wer kann sagen was richtig ist?! Aber diese Fehde wächst so sehr, dass Elena entschlossen ist, die Geheimnisse zu enthüllen, die in der Vergangenheit der reisenden Künstlerin Mia Warren verborgen sind. Aber zahlt sie nicht dafür einen viel zu hohen Preis, wenn sie diese ausgegraben hat? Droht dabei, in ihren Bemühungen Recht zu behalten und die Kontrolle nicht zu verlieren, nicht ihre eigene Familie zu zerfallen? 

Das ist nur eins der Themen, mit denen sich der Roman beschäftigt. Er blickt in die Gesellschaft einer kleinen Stadt, in Vorurteile, nicht ausgesprochenen Befürchtungen und Meinungsbildung zu People of Colour. Er schildert das Erwachsen werden und den Druck, den Kindern / Teenager von erfolgreichen Eltern verspüren. 

Dies ist Celeste Ngs zweites Buch nach dem Bestseller „Was ich euch nicht erzählte“, ihrem Debütroman, den ich gelesen habe. Es ist fair zu sagen, dass ich nicht wusste, was mich erwarten würde – die Meinungen, die ich gelesen habe, waren sehr gegensätzlich und manchmal sogar wiedersprüchlich. Die familiären Beziehungen, die Charaktere, die Wünsche, die Parteien, die von allen in der Debatte besetzt sind, werden sehr detailliert enthüllt – nicht nur unter den Kleinstadtbewohnern, sondern auch unter den Mitgliedern der Richardson-Familie und man erahnt die persönliche Einstellung der Autorin und die Seite, die sie unterstützt, und gleichzeitig als Leser fühlt man sich frei seine eigene Meinung zu bilden und ist nicht bedrängt von den zwei Meinungslagern aus dem Buch. Und es zeigt definitiv, dass es jeden Tag kleine Brände gibt, mit denen man sich befassen muss, bis ein großer kommt, der unsere Welt erschüttert, und es spielt keine Rolle, wie oft und fleißig wir nach den Regeln des Lebens „spielen“ und wie erfolgreich und einflussreich wir sind. Das Leben ist ein FEUER!

„Manchmal muss man alles abbrennen und von vorn anfangen. Nach dem Brand ist die Erde fruchtbarer und Neues kann wachsen. Genauso ist es bei den Menschen. Sie fangen von vorne an. Sie finden einen Weg.“

In mir hinterließ das Buch ein Gefühl des Zerreißens zwischen den Entscheidungen, denen man gegenübersteht, aber auch die Überzeugung, dass es am besten ist, das zu tun, was man für richtig hält, denn egal wie weit wir weglaufen möchten, unsere Wahrheiten und Wünsche tauchen immer wieder auf und sie finden einen Weg, uns zu „beißen“. 

Die von Reese Witherspoon produzierte Miniserie gibt die Geschichte ziemlich genau wieder. Ja, es ist eine Serie, es gibt Diskrepanzen mit dem Buch, aber die Hauptstränge des Buches ist gut getroffen und das Gefühl, das es hinterlässt, ändert sich nicht. Und die Besetzung ist großartig.

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